Herzoperation: Spitalaufenthalt von A – Z

 

Bei vielen Erkrankungen des Herzens und der grossen Gefässe ist eine kathetertechnische Therapie möglich (z.B. Ballondilatation und Stentimplantation in die Koronarien). In vielen Fällen muss jedoch ein operativer Eingriff erfolgen.

Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Herz- oder Gefässoperation sind gründliche Vorabklärungen (z.B. Herzkatheteruntersuchung, Echokardiographie). In den meisten Fällen erfolgen diese Voruntersuchungen vor der Hospitalisation für die Operation. In der Sprechstunde mit dem Herzchirurgen werden die Befunde, die notwendige Operation und deren Risiken, alternative Therapiemöglichkeiten sowie die Nachbehandlung mit dem Patienten und meistens auch mit dem Ehepartner oder anderen Angehörigen besprochen und der Operationstermin festgelegt.

Tag vor der Operation

Am Tag vor der geplanten Operation, meistens um 11.00 Uhr, erfolgt der Eintritt in der Klinik. Das Pflegepersonal führt den Patienten ins Zimmer auf der Abteilung, es werden Blutentnahmen und ein Elektrokardiogramm gemacht. In vielen Fällen werden noch zusätzliche Untersuchungen gemacht (z.B. Ultraschall der Halsschlagadern, Röntgenbild der Lunge, Lungenfunktionstest) um alle notwendigen Informationen zur optimalen Durchführung der Anästhesie und der Operation zu erhalten. Der zuständige Operateur begrüsst den Patienten und bespricht nochmals die Operation, der Anästhesist stellt sich vor und erklärt den Ablauf der Narkoseeinleitung und verordnet meistens ein Schlafmittel für die Nacht. Der Physiotherapeut erklärt dem Patienten wichtige Atemübungen, die nach erfolgter Operation durchgeführt werden sollten, unter anderem dienen diese Übungen dazu, eine Lungenentzündung nach der Operation zu verhindern. Essen und Trinken ist bis ca. 24.00 Uhr erlaubt, ab dann sollte man nüchtern sein.

Operationstag

Am nächsten Tag (Operationstag) wird kurz vor Verbringung in den Operationssaal nochmals ein Schlafmittel verabreicht, so dass der Patient schon leicht sediert in den Vorbereitungssaal kommt, um ihn in einen entspannteren und angstfreieren Zustand zu versetzen. Es erfolgt die Anästhesieeinleitung (meistens Vollnarkose mit Intubation), die ca. 30 bis 60 Minuten dauert. Anschliessend wird der Patient in den Operationssaal gebracht und die Operation durchgeführt. Die Dauer der Operation hängt von der Grösse und Art des Eingriffes ab, bei Bypass- oder Herzklappenoperationen ca. 3 bis 4 Stunden, müssen spezielle Techniken oder kombinierte Eingriffe durchgeführt werden, kann die Dauer auch länger sein. Zu vermerken ist, dass auch bei langer Operationszeit der Kern der Operation (z.B. bei der Bypassoperation das Anlegen der Bypasses) nur höchstens die Hälfte der Operationszeit in Anspruch nimmt, die Vorbereitungen und anschliessend die Kontrollen sowie der Verschluss der Wunde müssen ebenso sorgfältig gemacht sein und benötigen auch ihre Zeit. Nach der Operation wird der Patient noch schlafend und künstlich beatmet (intubiert) auf die Intensivstation verlegt. Der Chirurg ruft unmittelbar nach der Operation die Angehörigen an (meistens den Ehepartner) und informiert über den Verlauf der Operation. Die Angehörigen bekommen die Telefonnummer der Intensivstation, sie können sich jederzeit bei dem Pflegepersonal oder den Ärzten auf der Intensivstation nach dem Befinden des Patienten erkundigen. Falls der weitere Verlauf stabil ist, wird der Chirurg sich an diesem Tag nicht mehr aktiv melden. Falls jedoch Komplikationen im Verlauf auftreten, werden die Angehörigen sofort informiert. Wenn der Kreislauf stabil ist, keine Komplikationen aufgetreten und alle Vitalparameter in Ordnung sind, wird die oberflächliche Sedation meistens nach 6 bis 12 Stunden aufgehoben. Der Patient erwacht langsam und wird dann vom Beatmungsgerät getrennt (extubiert). In einigen Fällen kann es sein, dass die Beatmung noch länger notwendig sein kann. Am Anfang ist der Patient noch sehr müde und erschöpft und kann sich häufig noch nicht zeitlich und örtlich orientieren. Durst oder ein trockener Mund kann sehr störend sein, umittelbar nach der Extubation ist das Trinken jedoch nur eingeschränkt erlaubt. Sobald der Wachheitszustand es erlaubt, kann der Patient am nächsten Morgen ein leichtes Frühstück zu sich nehmen.

Tag 1 nach der Operation

Auf der Visite am Morgen besprechen die Chirurgen mit den Intensivmedizinern das weitere Vorgehen. Die Dauer des Aufenthaltes auf der Intensivstation ist normalerweise 24 bis 72 Stunden. Sobald alle Vitalparameter (z.B. Blutdruck, Puls, Sauerstoffsättigung des Blutes, Nierenfunktion, Wachheitsgrad) in Ordnung sind und keine medikamentöse Kreislaufunterstützung durch adrenalinartige Substanzen (Katecholamine) mehr benötigt werden, kann die Verlegung von der Intensivstation auf die normale Abteilung geplant werden. Allfällige vorhandene Wundschläuche (Drainagen) werden gezogen, dies ist mit kurzen, leichten Schmerzen verbunden. Meistens finden die Verlegungen auf die normale Abteilung zwischen 10.00 und 14.00 Uhr statt. Der Blasenkatheter sowie die Infusion (Zentralvenenkatheter) werden während den ersten 24 Stunden auf der Abteilung noch belassen. Zur Verhinderung von Komplikationen bei zu langer Bettlägerigkeit werden die Patienten früh mobilisiert, d.h. vorerst mit Hilfe aus dem Bett in den Lehnstuhl. Wichtig in dieser Phase ist die Durchführung regelmässiger Atemphysiotherapie. Häufig ist in der Frühphase nach der Operation der Blutdruck noch deutlich niedriger als vor der Operation, mit einem externen Herzschrittmacher (der durch feine Drähte, die durch die Haut mit dem Herzen verbunden ist) kann der Puls auf eine optimale Frequenz angehoben und somit auch der Blutdruck erhöht werden. Es erfolgen regelmässige, engmaschige Kontrollen der Vitalparameter, anfänglich alle 2 Stunden (Blutdruck, Puls, Sauerstoffsättigung). Zur besseren Kreislaufüberwachung und damit Sicherheit des Patienten kann der Patient auch an eine Telemetrie (Funküberwachung des EKGs) angeschlossen werden, bei Unregelmässigkeiten oder Über- bzw. Unterschreiten der eingestellten Normgrenzen erfolgt in der Stationszimmerzentrale ein Alarm.

Tag 2 bis 5 nach der Operation

Es erfolgen täglich 2 Visiten durch das Chirurgenteam, morgens und abends, bei Bedarf selbstverständlich auch öfter. Am Tag nach der Verlegung von der Intensivstation auf die normale Abteilung werden meistens der Blasenkatheter und der Zentralvenenkatheter gezogen. Obwohl der Patient nun nicht mehr durch „Kabel“ oder „Schläuche“ limitiert ist, sollte die weitere Mobilisation (Spazieren im Korridor, Treppensteigen) anfänglich nur in Begleitung durch das Pflegepersonal, den Physiotherapeuten oder Angehörige stattfinden. Häufig treten schon bei leichteren Anstrengungen Schwindel oder Atemnot auf, dies ist normal und kein Anzeichen, dass die Operation nicht gut verlaufen ist. Auch Appetitlosigkeit und Schlafstörungen sind häufige Begleiterscheinungen in den ersten Tagen nach einer Herzoperation. Rhythmusstörungen sind häufig, vor allem ein postoperativ auftretendes Vorhofflimmern, das sich in schnellem, unregelmässigem Puls äussert. Diese Rhythmusstörung ist harmlos, aber für viele Patienten beunruhigend. Mittels spezieller Medikamente (z.B. Betablocker oder Cordarone), die aber meistens erst nach Stunden oder Tagen ihre Wirkung zeigen, können diese Pulsunregelmässigkeiten behoben werden. Bei allen Pulsunregelmässigkeiten werden die Patienten telemetrisch überwacht (wie oben erwähnt). Gelegentlich tritt im Verlauf nach der Operation Fieber auf, die häufigste und harmloseste Ursache ist eine Blasenentzündung nach Einlage des Blasenkatheters, die gut mittels Antibiotika zu behandeln ist. Seltenere Ursachen sind Lungenentzündungen oder Wundheilungsstörungen. Sobald der Patient gut und sicher mobil ist, kann die Teilnahme an der morgendlichen Gruppenphysiotherapie stattfinden, es werden vor allem Atem- und Entspannungsübungen durchgeführt. Bei zunehmender Belastbarkeit und Erholung nach dem Eingriff kann auch bereits ein leichtes Ergometertraining stattfinden, dies findet nachmittags statt, ebenfalls durch die Physiotherapie. Am 5. Tag nach der Operation finden im Regelfall die Verlaufskontrollen statt, bestehend aus einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs, einer Blutanalyse und einem Elektrokardiogramm. Falls der Herzrhythmus stabil ist, werden die durch die Haut gezogenen, provisorischen Herzschrittmacherdrähte gezogen; sobald diese Drähte entfernt sind, ist das Duschen wieder erlaubt (Baden in der Badewanne oder z.B. im Schwimmbad ist jedoch erst nach vollständiger Wundheilung, d.h. nach 10 bis 14 Tagen erlaubt). Eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) ist bei einigen Herzoperationen (vor allem bei Klappenrekonstruktionen) ebenfalls ein Bestandteil der Verlaufskontrolle.

Tag 6 bis 12 nach der Operation

In den meisten Fällen haben sich die Patienten in diesem Zeitraum recht gut von der Operation erholt; es muss aber erwähnt werden, dass die vollständige Erholung erst nach 6 bis 8 Wochen eintritt. In vielen Fällen wird dem Patienten bereits im Vorgespräch mit dem Chirurgen eine stationäre oder ambulante Rehabilitation empfohlen und auch schon angemeldet. Der Zweck der kardialen Rehabilitation ist vor allem ein gezieltes, fachärztlich geführtes Aufbautraining zur schnelleren Verbesserung der Belastbarkeit. Meistens beginnt die stationäre Rehabilitation unmittelbar nach der Spitalentlassung, in einzelnen Fällen kann  der Patient auch einen Tag zwischen der Spitalentlassung und der Rehabilitation nach Hause gehen. Der Transport in die Rehabilitationsklinik erfolgt in den meisten Fällen privat mit einem normalen Personenwagen durch die Angehörigen (dem Patienten wird in den ersten 3 Wochen nach der Operation das Autolenken wegen allgemeiner Schwäche nicht empfohlen). Am Tag vor dem Austritt findet ein ausführliches Austrittsgespräch mit dem Chirurgen statt, es wird eine Liste der einzunehmenden Medikamente übergeben (die Medikamente werden dem Patienten mitgegeben), die durchgeführte Operation wird noch einmal erklärt (evtl. unter Zuhilfenahme einer Zeichnung), Berichte für die nachbehandelnden Ärzte oder Kliniken werden ausgehändigt (mit Orientierungskopie an den Patienten) und es wird das weitere Vorgehen bezüglich Nachkontrollen besprochen. Meistens findet die erste kardiologische Kontrolle nach 3 Monaten statt (bestehend aus einem EKG, einer Ergometrie, evtl. Echokardiographie, Blutuntersuchung), die weiteren Intervalle werden individuell festgelegt, meistens anschliessend jährlich.


© HerzZentrum Hirslanden Zürich

Bemerkung
Zur einfacheren Lesbarkeit wird nur die männliche Form berücksichtigt; selbstverständlich sind auch Patientinnen, Anästhesistinnen, Chirurginnen usw. gemeint.