Rehabilitation nach einer Herzoperation
Was ist eine Rehabilitation?
Mit Rehabilitation wird die Gesamtheit aller Massnahmen bezeichnet, die nach einer Herzoperation die Rückführung in das gewohnte Alltagsleben fördern und die Rückfallgefahr vermindern sollen. Während der Rehabilitation sind naturgemäss spontane Heilungskräfte wirksam, die von Mensch zu Mensch in unterschiedlichem Masse ergänzt und unterstützt werden müssen. Die Phase der Rehabilitation ist in den ersten Wochen nach Spitalentlassung am wichtigsten.
Wann benötigt man eine Rehabilitation?
In der ersten Phase nach einer Herzoperation besteht neben der Notwendigkeit des körperlichen Aufbautrainings auch ein grosses Bedürfnis nach Information und Aufklärung zu Fragen rund um die individuelle Gesundheit und zu Zukunftsperspektiven. Dies ist heute umso stärker von Bedeutung, da der Aufenthalt im Akutspital immer kürzer wird. Unter medizinischer Anleitung und Beaufsichtigung wird mit Hilfe von speziell geschultem Personal diesen Bedürfnissen in der Rehabilitation Rechnung getragen.
Zu den bewiesenen Erfolgen einer Rehabilitation (wissenschaftliche Evidenz) gehören:
- Reduktion der Sterblichkeit und des Risikos eines Rückfalls
- Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit und der Alltagsbewältigung
- Verbesserung der Lebensqualität
- Raschere Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit und höhere Rate der Arbeitsfähigkeit
- Weniger erneute Spitaleintritte
- Verminderung der negativen psychosozialen Konsequenzen der Krankheit
- Verzögertes Fortschreiten der Arteriosklerose (Gefässwandverkalkung)
- Stabilisierung einer allenfalls vorhandenen Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
Das Behandlungsziel besteht somit in einer möglichst optimalen Wiederherstellung der physischen und psychischen Integrität des Herzpatienten und die möglichst rasche und möglichst umfassende berufliche und soziale Wiedereingliederung. Sie strebt insbesondere einen nachhaltigen Effekt auf die Gesundheit an und ermöglicht dem Patienten zudem, seine Krankheit besser zu verstehen und damit auch seine Krankheit möglichst gut zu bewältigen. Um dieses Ziel zu erreichen ist es nötig die Rehabilitation - sei es ambulant oder stationär - in strukturiertem Rahmen als umfassendes Intensivprogramm von mehreren Wochen Dauer durchzuführen.
Programminhalt einer kardiovaskulären Rehabilitation?
Die Rehabilitation und sog. Sekundärprävention (Rückfallrisiko) spielt sich in drei Phasen ab.
Phase I: beginnt im Spital nach der Operation
Phase II: Übertritt in eine spezialisierte Institution mit einem strukturierten ambulanten oder stationären Intensivprogramm
Phase III: Sicherung der Nachhaltigkeit und des Langzeiteffektes der in Phase II gewonnenen Erfolge in einer Langzeitrehabilitation (z.B. Herzgruppen)
Obligatorische Inhalte eines Rehabilitationsprogramms sind:
- Medizinische Evaluation
- Kontrollierte körperliche Aktivität
- Bekämpfung kardiovaskulärer Risikofaktoren
- Anleitung zu einem herzgesunden Lebensstil
- Stressmanagement
- Psychosoziale Betreuung und praktische Ratschläge für die soziale und berufliche Wiedereingliederung
Damit die Ziele der kardiovaskulären Rehabilitation erreicht werden können, muss eine solche Institution gewisse Qualitätskriterien erfüllen. Diese Kriterien sind für die Schweiz von der SAKR (Schweizerische Arbeitsgruppe kardiale Rehabilitation) auf der Basis internationaler Empfehlungen und Richtlinien ausgearbeitet und falls nötig auf spezielle Gegebenheiten in der Schweiz angepasst worden; die Anerkennung einer kardiovaskulären Rehabilitationsinstitution als Leistungserbringer zu Lasten der obligatorischen Krankenversicherung bedingt die Erfüllung dieser Qualitätskriterien und die daraus resultierende offizielle Anerkennung (www.SAKR.ch).
Eine komplette Liste der kardiovaskulären Rehabilitationszentren in der Schweiz ist auf der Website der Schweizerischen Herzstiftung www.swissheart.ch → Das Herz→Rehabilitation abrufbar.
Indikationen zur kardiovaskulären Rehabilitation?
Die kardiovaskuläre Rehabilitation ist indiziert bei:
- Erkrankungen der Herzkranzgefässe (Herzinfarkt, koronare Bypassoperation, Ballondilatation)
- Nach Herzklappenoperationen oder Operationen an der Hauptschlagader (Aortenchirurgie)
- Bei Herzmuskelerkrankungen
- Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit
Die Rehabilitation kann bei speziellen Zusatzerkrankungen ebenfalls vorteilhaft sein:
- Patienten mit gewichtigen Risikofaktoren wie z.B. Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) etc mit dem Ziel einer intensiven Einleitung präventiver Massnahmen
- Patienten mit funktionellen Beschwerden, mit dem Ziel einer Verbesserung der kardiovaskulären und körperlichen Leistungsfähigkeit und damit gleichzeitig einer psychischen Stabilisierung
Gegen eine Rehabilitation könnten angeführt werden:
- Schwere, mit Medikamenten nicht einstellbare Rhythmusstörungen
- Manifeste, nicht medikamentös kontrollierte Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
- Lungenerkrankungen mit ausgeprägter Sauerstoffunterversorgung (Hypoxie)
- Schwere psychische Erkrankungen oder Suchtkrankheiten mit entsprechender Abhängigkeit
stationäre Prävention versus ambulante Rehabilitation?
Im Prinzip gibt es zwei Möglichkeiten, die Phase II der kardiovaskulären Rehabilitation durchzuführen, und zwar entweder ambulant oder stationär. Die Programme und die Rehabilitationsziele sind im Grundsatz die gleichen.
Mögliche Vorteile der stationären Rehabilitation (Dauer in der Regel 4 Wochen):
- Früher Zeitpunkt des Programmbeginns nach der Operation
- Betreuung von Patienten mit komplexen Krankheitszuständen und noch fehlender körperlicher Stabilität
- Aufnahme von älteren Patienten, vor allem mit schwerwiegenderen Begleiterkrankungen
- Intensivere Massnahmen zur Vermeidung von Hilfsbedürftigkeit
Mögliche Vorteile einer ambulanten Rehabilitation (Dauer in der Regel 4-12 Wochen)
- Erholung in gewohnter Umgebung
- Einbezug der Familie/des Partners in die Anpassung des neuen Lebensstils
- Aufzeigen von Aktivitätsmöglichkeiten in der Umgebung des Wohnortes
- Möglichkeit der unmittelbaren Wiederaufnahme einer teilzeitigen Arbeitsfähigkeit
- Erleichterung einer Einführung in eine lokale Herzgruppe
Eine Liste der stationären und ambulanten Programme ist auf der Website der SAKR →stationäre Institutionen→ambulante Institutionen (www.SAKR.ch) abrufbar.
In jedem Fall soll aber eine möglichst grosse Nachhaltigkeit der eingeleiteten sekundärpräventiven Massnahmen angestrebt werden. Es empfiehlt sich daher nach Abschluss der Phase II die Teilnahme an Aktivitäten in einer Herzgruppe (Phase III). Eine Liste der Herzgruppen in der Schweiz ist auf der Website der Schweizerischen Herzstiftung www.swissheart.ch → Das Herz→Rehabilitation abrufbar.
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