Risiken und Nebenwirkungen von Herzoperationen
Welche Nebenwirkungen können nach Herzoperationen auftreten?
Herzoperationen sind grosse Operationen. Sie benötigen einen chirurgischen Zugang, eine Narkose, den Einsatz der Herzlungenmaschine und zahlreiche Medikamente. Trotzdem sind sie zumeist gut verträglich. Nebenwirkungen treten vor allem in den ersten Tagen auf und klingen im Lauf des Klinikaufenthalts weitgehend ab.
Schmerzen
Die Wundschmerzen nach Herzoperationen sind unter der Wirkung von Schmerzmitteln sehr erträglich und klingen innert den ersten zwei Wochen weitgehend ab. Der Patient darf in dieser Frühphase so viele Schmerzmittel bekommen wie er wünscht. Muskuläre Verspannungen werden durch Übungen unter Anleitung von Fachpersonen der Physiotherapie gelindert. Bei Spitalentlassung benötigen die meisten Patienten nur noch wenig Schmerzmittel.
Müdigkeit, allgemeine Schwäche
Herzoperationen sind für den ganzen Organismus eine grosse Belastung, die zu einer physischen und psychischen Erschöpfung führen kann. Je nach Alter und Konstitution ist diese mehr oder weniger ausgeprägt. Deshalb ist eine Erholungsphase von einigen Wochen einzuplanen.
Konzentrationsstörungen, Erinnerungsstörungen, Verwirrtheit
Solche Störungen können als Nachwirkung der Narkose und der veränderten Kreislaufverhältnisse während der Operation in den ersten Tagen auftreten, insbesondere bei älteren Menschen. Bei vorbestehenden Störungen dieser Art können sie vorübergehend verstärkt werden. Gelegentlich können auch Halluzinationen auftreten. Grosse neuropsychologische Studien haben gezeigt, dass alle derartigen Störungen reversibel sind.
Schlafstörungen
Durch die Narkose kommt es zu einer Unterbrechung des Tag-Nacht-Rhythmus. Dies kann in den folgenden Nächten zu Schlafstörungen führen, ähnlich wie nach Reisen in andere Zeitzonen. Zumeist kann mit Schlafmitteln geholfen werden.
Sehstörungen
In den ersten Wochen nach Herzoperationen kann es zu Sehstörungen wie Unscharfsehen, Augenflimmern oder visuellen Halluzinationen (z.B. Sehen von farbigen Mustern) kommen, die innert der ersten Wochen abklingen.
Herzrhythmusstörungen
Je nach Art der Herzkrankheit und nach Alter des Patienten tritt in den ersten Tagen nach der Operation recht häufig sogenanntes Vorhofflimmern auf. Dieses äussert sich in unregelmässigem, meist zu schnellem Puls, was als Herzklopfen verspürt wird. Die Störung lässt sich meistens mit Medikamenten beheben. Selten ist eine sogenannte Elektrokonversion notwendig.
Kurzatmigkeit
Aufgrund des Operationstraumas am Thorax sind in den ersten Tagen nach der Operation die Atembewegungen eingeschränkt. Deshalb sind regelmässige Atemübungen sehr wichtig, um das Lungengewebe wieder vollständig auszudehnen und Komplikationen von Seiten der Lungen zu verhindern. Diese Übungen werden vor der Operation durch Fachpersonen der Physiotherapie instruiert und nach der Operation täglich überwacht.
Husten
Vermehrtes Husten ist in der Frühphase nach der Operation üblich und notwendig zur Entfernung von Sekret aus den Luftwegen, welches sich während der Operation vermehrt angesammelt hat. Bei vorbestehenden chronischen Lungenerkrankungen und bei Rauchern kann dies besonders ausgeprägt sein. Schleimlösende Medikamente können das Aushusten erleichtern. Sehr wichtig ist die mechanische Unterstützung des Brustkorbs beim Husten mit den Armen, um die mechanische Belastung des Brustbeins zu verringern. Dies wird durch Fachpersonen der Physiotherapie vor der Operation instruiert. Nötigenfalls kann auch ein spezieller Brustgurt angepasst werden.
Flüssigkeitseinlagerung
Während der Operation kommt es zu Flüssigkeitseinlagerung ins Gewebe. Dies äussert sich in Gewichtszunahme und in einer manchmal spürbaren Schwellung der Hände und Füsse. Diese eingelagerte Flüssigkeit wird in den ersten Tagen auf natürliche Weise wieder ausgeschieden. Tägliches Messen des Körpergewichts dient zur Kontrolle.
Übelkeit, Verdauungsstörungen
In der Frühphase nach der Operation besteht als Nebenwirkung der Medikamente häufig Appetitlosigkeit, gelegentlich auch Übelkeit und Erbrechen. Letzteres kann mit Medikamenten gelindert werden. Ein verändertes Geschmacks- und Geruchsempfinden in den ersten Tagen wird häufig beschrieben. Häufig besteht in den ersten Tagen eine gewisse Darmträgheit. Gelegentlich kommt es auch zu Durchfall. Beides kann durch Medikamente gelindert werden. Eine Normalisierung dieser Störungen ist in der Regel nach einer Woche zu erwarten.
Störungen des Wasserlösens
Bei Herzoperationen ist das Einführen eines Blasenkatheters unabdingbar. Dies wird jedoch bereits in Narkose durchgeführt und ist deshalb nicht unangenehm. Der Blasenkatheter wird in der Regel am zweiten Tag nach der Operation entfernt. Vor allem bei vorbestehenden Störungen des Wasserlösens (z.B. bei vergrösserter Prostata) können diese nach der Katheterentfernung vorübergehend verstärkt auftreten.
Fieber
Erhöhte Temperatur ist in den ersten Tagen nach der Operation Folge des Eingriffs und normal.
Welche Komplikationen können nach Herzoperationen auftreten?
Als Folge des Eingriffs können in seltenen Fällen Komplikationen auftreten, die den Spitalaufenthalt verlängern können und eine medikamentöse Behandlung oder weitere Eingriffe notwendig machen. Sie können zu vorübergehenden oder bleibenden Schädigungen führen. Die statistische Häufigkeit der einzeln aufgeführten Komplikationen ist weniger als 3 Prozent. In besonderen Situationen kann das Risiko für einzelne Komplikationen höher sein. In diesen Fällen wird der Patient vor der Operation darüber informiert.
Nachblutung
Trotz sorgfältiger Operationstechnik und Blutstillung kann es in den ersten Stunden nach der Operation zu einer Nachblutung kommen. Dies hängt unter anderem mit der gestörten Blutgerinnung zusammen. Die Überwachung auf der Intensivpflegestation erlaubt eine rechtzeitige Erkennung. Zumeist kann die Gerinnungsstörung medikamentös korrigiert werden. In seltenen Fällen muss die Nachblutung operativ behandelt werden.
Infektionen
Dank minuziöser Sterilität im Operationssaal und gewebeschonender Operationstechnik sind Wundinfekte selten. Im Rahmen der Operation werden zudem prophylaktisch Antibiotika verabreicht. Ein leicht erhöhtes Risiko besteht bei Diabetikern und bei Übergewicht. Infektionen anderer Organe können vor allem bei länger dauerndem kompliziertem Verlauf auftreten, z.B. Lungenentzündung oder Harnwegsinfekte.
Knochenheilungsstörungen
Das Brustbein wird in der Regel in der Mitte durchtrennt und am Ende der Operation mit Stahldrähten wieder vereinigt. Etwa 2 Monate später ist das Brustbein wieder stabil verheilt. Bei massivem Husten ohne genügende Schutzmassnahmen und bei fragiler Knochenstruktur (Osteoporose) kann es zu Lockerung oder Einreissen der Drähte und damit zur Instabilität kommen. Deshalb sind die Schutzmassnahmen so wichtig (seitliches Stützen beim Husten und Niesen, Vermeidung von starker Belastung der Arme). Im Fall einer Instabilität ist eine operative Behandlung meist unumgänglich.
Neurologische Komplikationen
Im Rahmen von Herzoperationen kann es zu neurologischen Störungen wie Lähmungen, Gefühlsstörungen, Sehstörungen und Sprachstörungen kommen. Solche Komplikationen sind zumeist vorübergehend. Eine sorgfältige Abklärung vor der Operation und entsprechende Schutz- und Vorsichtsmassnahmen während der Operation senken das Risiko beträchtlich. Dazu gehören zum Beispiel Abklärung und Behandlung von Verengungen der Halsschlagadern oder das Vermeiden von Manipulationen an einer verkalkten Aorta (off pump Technik).
Zwerchfelllähmung
Die Zwerchfelle sind Muskeln, die den Brustraum vom Bauchraum trennen. Sie haben eine wichtige Funktion bei der Atmung. Sie werden durch einen Nerv gesteuert, in dessen Nähe bei gewissen Eingriffen operiert werden muss. Selten kann es zu einer zumeist vorübergehenden Lähmung dieses Nervs kommen. Dies führt zu einem sogenannten Zwerchfellhochstand auf der entsprechenden Seite. Die Erholungszeit dauert etwa 6 Monate.
Nierenfunktionsstörung
Im Rahmen einer Herzoperation kann es zu einer Funktionsstörung des Nierensystems kommen, die sich im Ansteigen der sogenannten harnpflichtigen Substanzen im Blut äussert, selten auch im vorübergehenden Versagen der Flüssigkeitsausscheidung. Solche Störungen entstehen zumeist auf der Basis einer Vorschädigung der Niere, z.B. durch Bluthochdruck, Arteriosklerose oder Diabetes. Die Funktionsstörungen erholen sich meistens spontan. Selten muss bei Nierenversagen zur Überbrückung ein Gerät zur Blutfiltration eingesetzt werden.
Herzinfarkt
Die koronare Herzkrankheit entsteht durch Verengung der Herzkranzgefässe durch Arteriosklerose. Die koronare Bypassoperation dient dazu, die Durchblutung des Herzmuskels zu verbessern und einen Herzinfarkt zu verhindern. Während der Operation werden verschiedene Massnahmen zum Schutz des Herzmuskels vor Schädigung getroffen (Myokardschutz). Sehr selten kann es trotzdem während der Operation zu einem Herzinfarkt kommen, z.B. bei sehr ausgeprägter und diffuser Verkalkung der Koronararterien.
Schwere Herzrhythmusstörungen
Manche Herzkrankheiten führen zu einer Verdickung des Herzmuskels, z.B. Bluthochdruck oder Aortenklappenverengung. Bei sehr ausgeprägter Verdickung ist das Risiko einer gefährlichen Rhythmusstörung etwas erhöht. Nach der Operation nimmt die Herzmuskeldicke allmählich ab, und das Risiko geht entsprechend zurück.
Wie gross ist das Risiko einer Herzoperation?
Das Risiko, während oder in der Folge einer Herzoperation das Leben zu verlieren, ist in der Regel sehr klein. Es liegt zumeist zwischen 0,5 und 2 Prozent. Faktoren wie zum Beispiel das Alter, die Art der Operation, das Stadium der Krankheit, Notfallsituationen oder Begleiterkrankungen können das Risiko jedoch erhöhen. Zur Berechnung des Risikos existieren sogenannte Risiko-Scores, z.B. der EuroScore; diese überschätzen das Risiko jedoch häufig. Bei der Vorbesprechung der Operation wird das Risiko individuell durch den Operateur eingeschätzt. Am HerzZentrum Hirslanden wird seit der Gründung im Jahr 1987 eine Datenbank geführt mit den Daten aller operierten Patienten (über 18'000 Fälle). Auf dieser breiten Basis eigener Erfahrung lässt sich das Risiko realistisch einschätzen.
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